Laut dem Modul, das ich bei meinem letzten Kurs unterrichtet habe, sollten die Teilnehmerinnen zwei Tellington-Führpositionen kennenlernen, bei denen die Gerte mit Abstand vor der Pferdenase gehalten wird. Eine davon, der „Elegante Elefant”, wird mit kurzer Leine und wenig Abstand zum Pferd ausgeführt, die zweite, der „Anmutige Gepard”, mit längerer Leine und mehr Abstand. Mehrere Pferde im Kurs haben sich sehr wohl und sicher gefühlt, wenn sie nah an ihrem Menschen waren, hatten aber Probleme, den Abstand zum Menschen zu halten, während sie durch die verschiedenen Elemente des Tellington-Lernparcours geführt wurden. (Übrigens gibt es auch Pferde, bei denen das genau andersherum ist.)
Wenn Pferde an ihren Menschen „picken”, werden sie oft als respektlos oder dominant beschrieben, obwohl sie in Wahrheit einfach unsicher sind. Im Kurs haben wir darüber gesprochen, was ein Pferd braucht, um eigenständig Aufgaben zu bewältigen. Wir waren uns einig, dass dafür viel Selbst nötig ist: Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit. Und dafür muss das Pferd sich selbst spüren können.
Sehr oft wird ein Pferd, das zu eng am Menschen geht, mit Druck weggeschickt. Damit wird jedoch nicht die Ursache - die Unsicherheit - behandelt. Um an ihr zu arbeiten, bietet die Tellington-Methode viele verschiedene Möglichkeiten. Deshalb liebe ich sie so sehr! Und so haben wir, wie Linda Tellington-Jones zu sagen pflegt, einfach unsere Arbeit erledigt. (Just do the work!)
Wir legten den Pferden die Tellington-Körperbänder an, nutzten Stangen als optische Hilfe und ttouchten die Pferde. Vor allem führten wir sie zu zweit in verschiedenen Führpositionen, um ihnen beizubringen, auf Abstand zu uns zu gehen, während sie trotzdem behutsam beidseitig von uns eingerahmt wurden. Und dann kam es so, dass die Pferde am letzten Tag ohne zu zögern selbstbewusst an der langen Leine durch die verschiedenen Elemente des Tellington-Lernparcours gingen.
Ich lege viel Wert auf Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein bei Pferden, wohlwissend, dass dies in der Pferdewelt oft aktiv unterdrückt wird. Für mich bedeutet Selbständigkeit bei Pferden aber nicht, dass sie mir nicht folgen, sondern dass sie die Fähigkeit besitzen, eigenständig Antworten auf Probleme zu finden. Dadurch werden Pferde souveräner, mutiger und sie finden nach einem aufregenden Ereignis schneller zurück in eine körperliche und psychische Entspannung.
